Warum Seiten nach einem Relaunch abstürzen
Der Einbruch hat selten mit dem neuen Design zu tun. Er entsteht, weil Google monate- oder jahrelang Adressen gesammelt hat, die es plötzlich nicht mehr gibt. Jede davon war ein Eingang zu deinem Betrieb. Wenn dort nichts mehr steht, ist der Eingang zu.
Der zweithäufigste Grund ist noch ärgerlicher: Die neue Seite geht mit einer Sperre für Suchmaschinen live, weil sie beim Bauen auf der Testumgebung stand und niemand die Sperre entfernt hat. Ein einziger falsch stehen gebliebener Eintrag reicht, um die ganze Seite aus dem Index zu nehmen.
Vorher: alles einsammeln
Bevor die alte Seite abgeschaltet wird, brauchst du eine vollständige Liste ihrer Adressen. Vier Quellen zusammen ergeben ein brauchbares Bild:
- Die bestehende sitemap.xml
- Die Google Search Console unter „Seiten“ — dort steht, was tatsächlich im Index ist
- Die Serverlogs der letzten Monate: sie zeigen auch Adressen, die in keiner Sitemap stehen
- Ein Crawl der alten Seite mit einem beliebigen Crawler
Sichere außerdem die aktuellen Rankings und Zugriffszahlen. Ohne diesen Vorher-Stand kannst du hinterher nicht beurteilen, ob etwas schiefgegangen ist oder ob es nur nach Gefühl so wirkt.
Der Kern: 301, und zwar zielgenau
Eine 301-Weiterleitung sagt Suchmaschinen: Diese Adresse ist dauerhaft umgezogen, übertrag alles auf die neue. Eine 302 sagt „nur vorübergehend“ und überträgt deutlich weniger — sie ist beim Umzug fast immer die falsche Wahl.
Entscheidend ist die Zielgenauigkeit. Jede alte Adresse gehört auf die inhaltlich passende neue. Wer alles pauschal auf die Startseite leitet, verliert die Rankings der Unterseiten: Google behandelt solche Weiterleitungen als Soft-404, also als wäre die Seite verschwunden.
Gibt es zu einer alten Seite wirklich keine Entsprechung, ist die ehrlichste Lösung die thematisch nächstgelegene Seite — oder, wenn es die nicht gibt, ein sauberer 410. Ein 410 sagt „bewusst entfernt“ und wird schneller verarbeitet als ein 404.
Beim Domainwechsel zusätzlich
- Beide Domains in der Search Console anmelden und bestätigen.
- Die Adressänderung in der Search Console melden — das beschleunigt die Übernahme spürbar.
- Die alte Domain mindestens ein Jahr behalten und weiterleiten. Wer sie nach drei Monaten aufgibt, wirft den Rest weg.
- Externe Links, die du beeinflussen kannst — Branchenverzeichnisse, Partner, Social-Profile —, direkt auf die neue Adresse umstellen.
Am Umzugstag
- Sperre für Suchmaschinen entfernen. Zuerst. Prüfen, nicht annehmen.
- Weiterleitungen scharf schalten und stichprobenartig aufrufen.
- Neue sitemap.xml einreichen, alte in der Search Console entfernen.
- Prüfen, dass jede Seite genau eine kanonische Adresse hat und diese auf sich selbst zeigt.
- HTTPS erzwingen und sicherstellen, dass es nur eine Variante gibt: entweder mit oder ohne www, nicht beides.
- Interne Links auf die neuen Adressen umstellen — nicht auf die Weiterleitungen.
Danach: hinsehen, nicht hoffen
Ein vorübergehender Rückgang in den ersten zwei bis vier Wochen ist normal, solange Google die neuen Adressen noch verarbeitet. Was nicht normal ist: ein Einbruch, der nach sechs Wochen nicht zurückkommt.
Sieh in der Search Console wöchentlich nach: Steigt die Zahl der indexierten neuen Seiten? Tauchen 404-Fehler auf, die es vorher nicht gab? Fallen einzelne Suchbegriffe auffällig ab? Die meisten Umzugsprobleme lassen sich in der ersten Woche mit einer nachgetragenen Weiterleitung beheben — und nach einem halben Jahr fast gar nicht mehr.
Was ich dabei mache
Weiterleitungen von der alten Seite sind bei mir Teil jedes Projekts und keine Zusatzposition. Ich sammle die alten Adressen ein, ordne jeder eine neue zu und prüfe nach dem Umschalten jede einzelne. Was danach passiert, siehst du in deiner eigenen Search Console — die richte ich mit ein, damit du nicht auf meine Auskunft angewiesen bist.